Zwischenlager für atomare Brennstoffe in Ahaus


Etwa vier Kilometer östlich der kleinen Stadt Ahaus im Münsterland, die im Mittelalter die Stadtrechte erhielt und seither eine bewegte Geschichte erlebt hat, steht das Brennelementezwischenlager (BZA), das von der GNS, Gesellschaft für Nuklear-Service mbH, betrieben wird.

In zwei getrennten Lagerhallen können hier bis zu 370 Transport- und Lagerbehälter mit ausgedienten Brennelementen aus Leichtwasserreaktoren (zur Zeit sind sechs Stellplätze belegt) und 50 Transport- und Lagerbehälter mit Kugelbrennelementen des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR 300) und bestrahlten Brennelementen des stillgelegten Forschungsreaktors Rossendorf (hier stehen nach Angaben der GNS zur Zeit 305 CASTOR®THTR/AVR und 18 Behälter CASTOR® MTR2) gelagert werden.

Schon im Jahr 1977 wurden erst Pläne bekannt, dass in Ahaus ein Zwischenlager für atomaren Müll gebaut werden sollte. Angeblich, nachdem das Land Nordrhein-Westfalen der Stadt Ahaus finanzielle Zuwendungen in Höhe von 49 Millionen DM versprochen hatte, erklärte die Mehrheit des Stadtrates 1978 ihre Zustimmung. 1983 wurde die Baugenehmigung erteilt. 1985 erließ das OVG Münster einen Baustopp, der 1985 wieder aufgehoben wurde. 1989 wurde die erste Lagerhalle in Ahaus fertig gestellt.

1992 kamen die ersten Castorbehälter aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop nach Ahaus.

Seither gab es immer wieder kleinere und größere Atommülltransporte nach Ahaus, darunter auch der von der Gewerkschaft der Polizei  NRW als „verzichtbar“ bezeichnete Transport am 20. März 1998, als sechs Castoren  unter massivem Polizeieinsatz gegen den Widerstand im Münsterland durchgesetzt wurde.

Aktuell genehmigte im November 2009 die Bezirksregierung Münster Atommülltransporte nach Ahaus für die nächsten zehn Jahre. Diese Genehmigung gilt prinzipiell für alle deutschen Atomkraftwerke und Forschungsreaktoren. Zwei bis drei Transporte pro Woche sollen in den kommenden Jahren in Ahaus ankommen, ab 2015 sollen außerdem castorähnliche Großbehälter aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Ahaus eintreffen.

Noch vor Weihnachten 2010 könnten bereits genehmigte Transporte von abgebrannten Brennelementen aus Ahaus nach Russland erfolgen.  2005 wurde dieser radioaktive Müll aus dem Atomkraftwerk Rossendorf bei Dresden nach Ahaus gebracht. Es war dem Sächsischen Wissenschaftsministerium nach eigener Aussage damals nicht bekannt, dass die Brennelemente zum russischen Hersteller zurückgeliefert werden müssen. Nun soll die gefährliche Ladung von Ahaus über die Autobahn nach Bremerhaven/Hamburg transportiert und dort nach Murmansk in die russische Plutoniumfabrik Majak verschifft werden.

Der Staatsvertrag für den Transport der Ahaus-Russland Castoren liegt unterschriftsreif vor und muss nur noch unterzeichnet werden.

Russische und Münsterländer Umweltorganisationen fordern einen Transportstopp, da sie die Transporte für zu gefährlich und nutzlos halten und darin außerdem eine unnötige Vergeudung von Millionen von Euro sehen.

Schon seit dem Bekanntwerden der ersten Pläne für das Brennelementelager haben sich Bürger und Bürgerinnen von Ahaus und aus dem ganzen Münsterland zu Initiativen gegen das Zwischenlager und die damit verbundenen Transporte zusammengeschlossen. An jedem 3. Sonntag im Monat findet beim BZA ein Sonntagsspaziergang statt, am 21. November um 14h treffen sich die Sonntagsspaziergänger bereits zum 192. Mal. Nähere Informationen hierzu gibt es auf den Webseiten der BI-Ahaus www.bi-ahaus.de und des Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen www.kein-castor-nach-ahaus.de